ebba-thoresson-b_SrmE5cvb8-unsplash.jpg

Zurück

Zeit für neue Wege: Innovation, Sustainability und Gen Z

Beim Exxeta Impact Camp dreht sich alles um nachhaltige und innovative Ideen. Da wird es höchste Zeit bei unseren Challenger:innen einmal genauer nachzuhaken. Wir haben mit Felix Schlechtriem von Wairify, einem Startup für nachhaltige Luftfilter, und unserem Kollegen Timurcin Kizilnar gesprochen und nachgefragt, was Innovation für sie bedeutet, wie sich kurzfristige Business-Needs und Klimaanforderungen vereinen lassen und wie Gen Z Unternehmen verändert.

1.     Was macht ihr bei Wairify, wenn du es in drei Sätzen erklären solltest?

Felix: Wir bei Wairify kümmern uns um die wichtigste Ressource der Welt: Luft. Deswegen wollen wir künftig nicht einfach nur Luftreiniger herstellen, sondern betrachten das Thema Raumluft ganzheitlich. Vor allem wollen wir Awareness dafür schaffen, wie wichtig die Qualität von Raumluft ist. Das Atmen bestimmt unser gesamtes Wohlbefinden. Unseren Kund:innen wollen wir dafür Lösungen, Anreize und Innovationen liefern. 

2.     Warum schlägt euer Herz für Nachhaltigkeit und Innovation?

Timurcin: Ich bin begeisterter Taucher und mir liegen marine Ökosysteme sehr am Herzen. Für mich ist das ganze Thema Nachhaltigkeit deswegen vor allem in Bezug auf Verschmutzung der Meere und der langfristigen Schädigung der Artenvielfalt relevant. Ich möchte Innovationen schaffen, die dazu beitragen, Abfall, der sonst in die Meere gelangen könnte, zu reduzieren und nachhaltige Kreisläufe zu schaffen.

Felix: Innovationen können die Welt zum Besseren wandeln – gerade beim Thema Nachhaltigkeit gibt es noch viel Luft nach oben. Als durch Corona der Bedarf an den Geräten stieg, fiel auf, wie viel Müll durch die Filter verursacht wird. Deshalb sagen wir: Es muss auch ohne gehen! Denn: Es geht immer besser und man darf sich nicht mit einer schlechten Lösung zufriedengeben.

3.     Was ist die beste Nachhaltigkeitsinnovation, über die zu wenig gesprochen wird? 

Timurcin: Noch zu wenig gesprochen wir in meinen Augen über Lösungen, die die Lebenszeit und Nutzungsdauer von elektronischen Geräten verlängern: Maßnahmen wie das „Right to Repair“ oder auch Circular Economy. Um diese ganzen System bilden sich gerade Plattformen, die darauf abzielen, Nutzer:innen digitale Dienstleistungen zu bieten, die die Nutzungsdauer von Produkten verlängert. Mit steigender Nutzungsdauer wird sich auch die Produktentwicklung weiter wandeln und man wird sich noch stärker die Frage stellen müssen wie man über fünf oder zehn Jahre hinaus seinen Kund:innen Mehrwert bieten kann.

Felix: Das sehe ich genauso: Recyclen und Rohstoffen einen längeren Lebenszyklus zu geben, ist super wichtig – leider aber aktuell noch kein großes Thema. Ein Ansatz ist es, Rohstoffen wie Kunststoff wieder einen Wert zu geben, damit es eben nicht weggeschmissen wird und im Meer landet. Wir haben jetzt beispielsweise eine Variante unseres Gerätes, die zum Teil aus maritimen Abfällen gefertigt wird. Unser Anbieter geht auf Fischereibetriebe zu und bittet sie, die alten Netze nicht wegzuwerfen, sondern mit uns zu recyclen. Eine super Lösung für alle – der Rohstoff bekommt wieder einen Wert. Das ist wahrscheinlich das Effizienteste, was wir derzeit machen können, um den Müll zu reduzieren. 

CL1_4821.jpg
"Wir sollten Lebenszeit und Nutzungsdauer verlängern."
Timurcin Kizilnar, Venture Architect Exxeta

4.     Verzichtet ihr deshalb bewusst auf Filter, Felix?


Felix: Ja, das ist der Hauptgrund. Die Filtertechnologie ist einfach ineffizient. Denn irgendwann verstopft der Filter, wird lauter und funktioniert dann nicht mehr. Das produziert richtig viel Müll, aber natürlich auch einen kontinuierlichen Revenuestream für die Produzenten – ein „Razor and Blade“-Model. Bei uns kaufen die Leute ein Gerät und das hält dann sehr lange. Für uns ist es wichtiger, Innovation zu finden und Services anzubieten, die Mehrwerte bieten, wovon die Kund:innen wirklich was haben. Wir sind auch deshalb beim Impact Camp, um zu schauen, was für Ideen es da draußen noch gibt.

5.     Wie bleibt man in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten innovativ?

Timurcin: Auch unsichere Zeiten können neue Chancen für Innovation eröffnen. Es sind für mich im Wesentlichen drei Aspekte, der Rahmen, das kontinuierliche Lernen und die Herangehensweise. Innovative Rollen und Teams brauchen klare und abgestimmte Ziele mit einem wirtschaftlichen Rahmen, unter denen sie arbeiten können. Das eigentliche Doing rund um Product Discovery, Validation und die Entwicklung von Produkten sollte nicht zum Stillstand kommen, wir sollten kontinuierlich lernen. Jedoch sollte man seinen Ansatz oder die Herangehensweise gemäß dem Rahmen anpassen. Durch kreative Herangehensweisen kann man im Problembereich potenziell auch neue Erkenntnisse gewinnen. Auch können in wirtschaftlichen unsicheren Zeiten gezielt mehr Partnerschaften eingegangen werden, um individuelles Risiko zu senken und co-kreativ zu lernen.

Felix: Innovativ sein und bleiben ist die einzige Lebensversicherung in unsicheren Zeiten. Denn unsichere Zeiten bedeuten, dass sich etwas verändert. Dadurch muss ich mich verändern und neue Lösungen finden. Es gibt immer Lösungen, die kosteneffizienter und einfacher sind, aber die sind oft umwelttechnisch und auch wirtschaftlich nicht nachhaltig. Man sollte die Energie lieber nutzen eine richtige Lösung zu finden, denn damit bindet man Kund:innen auch langfristig. Das hat man während der Pandemie gesehen: Viele Marken haben ihre Mitarbeitenden nicht entlassen, sondern sich umgestellt. Die haben einen Vertrauensschub von Markenseite bekommen und profitieren noch heute.

6.     Wie schafft man das Gleichgewicht zwischen experimenteller Innovation und dem Druck zur Kostensenkung?

Timurcin: Je nach Phase kann man bei der Herangehensweise unterschiedliche Trade-Offs eingehen, welche Kostenersparnisse ermöglichen und nicht notwendigerweise die Qualität der Ergebnisse senkt, gegebenenfalls aber mehr Zeit benötigen. Gerade in der Product Discovery kann man auch kostengünstigere, kreative Ansätze wählen, um an seine ersten potenziellen Nutzer zu kommen. Bei der weiteren Validierung und dem iterativen Entwickeln von Produktideen denke ich da vor allem auch an No-Code – dort braucht man nicht direkt eine ganze Entwickler:innentruppe, sondern kann mit limitierten Ressourcen innerhalb von wenigen Minuten oder Stunden funktionsfähige erste Prototypen entwickeln.

Felix: Ich sehe das ähnlich. Bei der digitalen Entwicklung, aber auch bei der Entwicklung haptischer Produkte ist das so. Wir haben das Glück, dass wir zwei Partner im Rücken haben, die auch eine große technische Infrastruktur haben. Da können wir auf eine große Innovationskompetenz und Erfahrung zurückgreifen. Wenn wir einen Product Scribble machen, können wir das in einen Kreis von Leuten erstmal reinsenden und testen.

7.     Wie bringt man kurzfristige Business Needs und langfristige Nachhaltigkeits-/ Klimaanforderungen in den Einklang?

Timurcin: Das Thema Nachhaltigkeit und deren Kriterien sollten den Rahmen vorgeben, in denen die Business-Needs operieren müssen. Es ist dabei wichtig, dass sich die Business Needs nicht lose in diesen Rahmen einfügen, sondern klar mit der Motivation oder den langfristigen Zielen des nachhaltigen Handelns abgestimmten sind und kommuniziert werden.

Felix: Was am besten wirkt ist Kommunikation. Nachhaltigkeitskommunikation betreibt momentan jede:r, leider oft in den Bereich des Greenwashings. Für uns wäre es absurd, Klimaziele nicht ernst zu nehmen. Wir wollen reine Luft produzieren, da können wir diese auf der anderen Seite nicht verschmutzen. Wir wollen eine langfristig nachhaltige Lösung liefern. 

8.     Was wäre für dich das best possible Outcome beim Impact Camp?

Felix: Eine konkrete Idee: einen Servicepunkt, eine App oder ein Feature, was wir launchen können. Wir betrachten das Thema Raumluft nun schon eine längere Zeit, dann kam Corona und viele sagten, wir verpassen den Moment. Aber wir merken schon, dass die Awareness für das Thema steigt und wir wollen natürlich sehen, welche Sicht von außen kommt.

 

210906_WAIRIFY_590_HighRes.jpg
"Gen Z hat eine ganz andere Sicht auf die Zukunft."
Felix Schlechtriem, CMO Wairify

9.     Welche Rolle spielt die Generation Z bei euch im Unternehmen in Bezug auf Innovation? 

Felix: Gen Z hat eine ganz andere Sicht auf die Zukunft, denn ihnen gehört mehr von der Zukunft als uns. Sie haben nicht nur eine andere Sicht, sondern auch viel mehr Energie und Kraft und keine falsche Ehrfurcht, den anderen Generationen einfach mal zu sagen, dass sie etwas zwar immer so gemacht haben, aber das nicht mehr funktioniert. Sie haben den Mut und das Selbstbewusstsein, da einfach ranzugehen.

10.  Glaubt ihr, dass Gen Z anders innoviert? 

Timurcin: Ich würde sagen ja. Sie sind mit mehr digitalen Geräten und durch soziale Medien in einem deutlich internationaleren Kontext aufgewachsen. Dadurch haben sie gerade einen großen Horizont im digitalen Bereich und sind bedacht in ihrer Herangehensweise. Das ermöglicht ihnen, bei der Lösung von Problemen im Vergleich zu anderen Generationen potenziell anders vorzugehen, z.B. durch das Einbeziehen neuer Technologien oder digitaler Dienste.

11.  Müssen Unternehmen ihre Prozesse oder ihre Kultur anpassen, um Mitarbeitende der Generation Z zu gewinnen?

Felix: Auf jeden Fall. Ein Beispiel: Homeoffice. Das hat man vor der Pandemie nur bei Kreativagenturen gesehen, aber jetzt ist das einfach gesetzt. Daraus kann man viel lernen. Man muss den gegenseitigen Respekt haben, auf andere Ideen und Modelle einzugehen und Sachen einfach mal auszuprobieren. Wir können mittlerweile alles tracken und sehen KPIs. Dann kann man sehen: was bringt es und wo hakt es und darauf reagieren. Das muss man Lernen.

Timurcin: Ich sehe drei wesentliche Punkte: eine klare Vision, messbare Outcomes und ständiger Wandel. Viele junge Menschen wollen einer Vision folgen, bei der sie wissen, welchen Einfluss sie auf die Welt von morgen haben. Bei den Outcomes ist es wichtig, dass es klar messbar ist, wie man zu dieser Vision beiträgt. Gen Z erfragt das individuelle Handeln immer stärker und will verstehen, wie man wirkt. Deshalb ist es wichtig für Unternehmen nicht nur finanzielle Metriken zu haben, sondern auch zu tracken, welchen konkreten Einfluss man z.B. auf die Gesellschaft oder die Umwelt hat. Zudem ist die Gesellschaft im ständigen Wandel. Unternehmen sollten sich kontinuierlich wandeln und auf die Bedürfnisse junger Generationen eingehen, von der Unterstützung diverser Mobilitätsformen bis hin zu Remote Working.