MicrosoftTeams-image-(79).png

Zurück

NFTs sind nicht nur digitale Kunst

Hört man den Begriff NFTs, denkt man schnell an digitale Kunst. Dabei bedeutet NFT erst einmal Non-Fungible Token und beschreibt einen besonderen Token-Standard, welcher eine eindeutige digitale Kennung von digitalen Assets ermöglicht. Gepaart mit der natürlichen Transparenz einer Blockchain kann er die Einzigartigkeit und Herkunft dieser nachweisen. Im Gegensatz zu fungible Tokens, die untereinander wie eine Währung austauschbar sind, können NFTs voneinander unterschieden werden und sind in ihrer Existenz immer einzigartig. Kurzum: Sie besitzen eine zusätzliche Ebene der eindeutigen Identität. Wenn auch die Ethereum Blockchain maßgeblich zu der Entwicklung der Technologie beigetragen hat, ist diese mittlerweile auf vielen weiteren Blockchains nutzbar. Einige Beispiele: Solana, Polygon oder auch Cardano.

Bored Apes und Doodles – Warum assoziieren wir NFTs primär mit Kunst?

Die Möglichkeit digitale Kunst online zu kaufen und verkaufen, hat die Popularität von NFTs enorm erhöht. 2021 ist ein regelrechter Hype ausgebrochen, nachdem Sotheby’s und andere renommierte Auktionshäuser NFTs zu hohen Preisen versteigert haben. Ein Beispiel: Beeple’s „Everydays: The first 5000 Days“ Versteigerung im März 2021 für 69 Millionen Dollar und die darauffolgende Berichterstattung. Im gleichen Jahr fingen auch andere Blockchains wie Solana, Flow, Cardano oder Tezos an, ihre Blockchain-native Lösungen für NFTs zu entwickeln. Ein Hype kommt ins Rollen. 

Die starke Assoziation von NFTs mit digitaler Kunst hat mehrere Gründe:

  1. Kunst als zugänglich(st)er Use-Case 
    Die Sicherstellung von digitalem Eigentum ist einer der naheliegendsten und leicht verständlichsten Anwendungsbereiche für NFTs. Für Künstler:innen war es bisher äußerst schwer, die Originalität ihrer digitalen Kunst in Form von Bildern, Fotografie oder Illustrationen zu gewährleisten und in gerechtem Maße an ihrer Kunst zu verdienen. NFTs ermöglichen neue Bezahlmodelle, in denen die Creators konstant an der Verwendung ihrer Werke verdienen können. Folglich wurde der Boom des NFT-Marktes oftmals als „The Creator Revolution“ bezeichnet.

  2. Kunst ist greifbar und absolut meme-freundlich
    Digitale Kunst ist greifbar, visuell ansprechend und spiegelt oftmals einen Zeitgeist wider. Durch diese Eigenschaften sind Art-NFTs meme-freundlich, haben den benötigten Buzz und verbreiten sich als Bilder auf diversen Social-Media-Kanälen. Kurz: die mentale Verbindung von NFTs und digitaler Kunst wird gestärkt.

  3. NFTs & das Metaverse
    Das Metaverse und NFTs verstehen sich blendend. Nirgendwo ist es wichtiger, digitale Assets wie Kunst, Immobilien, Kleidung oder Landflächen eindeutig einer/m Inhaber:in zuzuordnen wie in einer digitalen Welt. Spätestens Facebooks strategische Neuausrichtung und Umbenennung zu Meta machte die Öffentlichkeit auf das Potential einer digitalen Welt aufmerksam. Im Metaverse sind die darin vorhandenen digitale Assets genauso visuell greifbar wie digitale Kunstwerke.

Die Technologie – Antiker, als man denkt und nicht ohne Kritik

Das erste NFT – „Quantum NFT“ von Digital Artist Kevin McCoy wurde auf der Namecoin Blockchain 2014 geminted – in der Kryptowelt also eine fast antike Technologie, die mindestens genauso lange schon mit Kritik konfrontiert ist. Ansprechende digitale Kunst, hohe potenzielle Gewinne für Anleger:innen, gerechtere Monetarisierung für Creator und neue Geschäftsmodelle – wo ist der Haken? Ein Kritikpunkt: die Umweltauswirkungen.

Anfang 2021 hat ArtStation, ein Online-Marktplatz für digitale Künstler:innen, Pläne eine Plattform für NFTs einzurichten innerhalb weniger Stunden platzen lassen. Der Grund: massiver öffentlicher Gegenwind – vorallem auf Onlineplattformen. Emissionen der digitalen Kunst wurden als ökologisch unethisch kritisiert. Dass NFTs umwelttechnisch nachbessern müssen, steht außer Frage. Momentan finden die meisten Verkäufe auf Marktplätzen statt, die zur Bezahlung die Kryptowährung Ethereum verwenden. Ethereum selbst basiert auf einem System namens „Proof of Work“, einer Art Sicherheitssystem für Kryptowährungen, welches genutzt wird, da es keine dritte überprüfende Instanz bei Transaktionen gibt. Um die Sicherheit der Datenbank zu gewährleisten, müssen komplexe energieaufwendige mathematische Rätsel durchgeführt werden. Dadurch können die Nutzer:innen, die sogenannten Miner, einen neuen "Block" verifizierter Transaktionen zu einem dezentralen Ledger, der Blockchain, hinzufügen. Der Prozess ist bewusst energieineffizient, damit es sich nicht lohnt, den Ledger böswillig zu manipulieren und historische Datensätze zu verfälschen. Der viel diskutierte Nachteil: Ethereum verbraucht etwa so viel Strom wie das gesamte Land Libyen.

Umweltverträgliche Alternativen

Abhilfe schaffen Innovation und Technologie. Der Creator des bereits erwähnten „Everydays: The First 5000 Days“-NFT plant beispielsweise, die Emissionen seiner NFTs vollständig auszugleichen, indem er in erneuerbare Energie oder Technologien investiert, die CO2 aus der Atmosphäre pumpen können. Kostenpunkt pro NFT: ca. 5000 Dollar. Auch Ethereum ist sich der Energieineffizienz bewusst und plant bereits den Umstieg auf eine vielversprechende Alternative – den „Proof of Stake“-Ansatz. Bei dem System werden die Miner abgeschafft und durch Validatoren ersetzt. Das bedeutet: statt in energieintensive Computer-Farms wird in native Coins des Systems investiert. Um ein Validator zu werden und die Block-Rewards zu erhalten, schließt man die Tokens in einem Smart-Contract ein, einem Computercode, der auf der Blockchain läuft. Werden nun Kryptowährungen an die Wallet-Adresse des Smart-Contracts versendet, verwahrt der Contract diese Währung., Sso als würden das Geld in einem Tresor deponiert werden. Genau diese Umstellung plant Ethereum noch innerhalb 2022. Der Impact wäre enorm: 99 % der momentan verbrauchten Energie könnte so eingespart und ein vielfach höheres Transaktionsvolumen ermöglicht werden.

robin-schreiner-YKE4zTW5lic-unsplash.jpg

Wenn nicht nur digitale Kunst, was dann?

Auch wenn die NFT-Technologie momentan hauptsächlich für digitale Kunst genutzt wird, bieten sich verschiedene Zukunftsszenarien für NFTs. Was alles möglich ist, ergibt sich aus der anfangs genannten Definition von NFTs – einem digitalen Objekt, dem ein Identifikator zugefügt wird. In Spielen und dem Metaverse können mit NFTs spezielle Objekte wie Kleidung oder Gegenstände fälschungssicher einer Identität zugeordnet werden, welche zukünftig potenziell sogar spielübergreifend nutzbar ist und das Spielerlebnis so maßgeblich verändern könnte. Durch neu eingeführte NFT-Token-Standards können NFTs „verschmolzen“ werden, um neue einzigartige digitale Gegenstände zu formen. Diese können dann gegen Gebühren an andere Spieler:innen verliehen, verkauft, oder als Collateral für Kurzzeitkredite eingesetzt werden. Der Kreativität sind hier wenig Grenzen gesetzt. 

Musiker:innen werden neue Möglichkeiten finden, sich selbst, ohne Hilfe von externen Labels, zu finanzieren und eine eigene Fangemeinschaft aufzubauen. Schon jetzt gibt es Modelle, in denen Künstler:innen einen Teil ihrer Vertriebsrechte an ihre Fans verkaufen können, um sich vorzufinanzieren. Im Gegenzug erhalten Fans einen Teil der Einnahmen eines Tracks über bekannte Kanäle wie Spotify, Apple Music oder YouTube.

In der Modebranche haben NFTs das Potential, die Offline- um eine ganze Onlinewelt zu ergänzen. Bereits jetzt setzen sich viele Modemarken mit den Möglichkeiten auseinander. Die Vorteile: digitale Artikel können genauso einzigartig sein wie physische und sich ebenso monetarisieren lassen. Außerdem erhalten Marken auch nach dem Verkauf mehr Kontrolle über ihre Produkte. So könnte zum Beispiel die Authentizität von Gütern nachgewiesen werden. Gucci hat das erkannt und bot mit einem Videoclip der „Aria“-Kollektion ein NFT an, welches mit 25000 Dollar das teuerste Einzelstück war, welches das Modehaus je verkaufte.

Auf der Ebene der digitalen Identität hat Vitalik Buterin, Mitgründer von Ethereum, erst kürzlich ein Konzept für eine sinnvolle Abwandlung von NFTs vorgestellt: Soulbound Tokens oder auch SBTs genannt. Sie sollen in Zukunft unter anderem als Verifizierung von Real-Life Skills, der akademischen Ausbildung, Auszeichnungen oder der individuellen Arbeitserfahrung dienen. Die Besonderheit: Im Vergleich zu NFTs soll es nicht möglich sein, SBTs an andere Wallets zu übertragen oder auf Märkten wie Open Sea zu handeln. Nach Ausstellung sind sie an eine Identität gebunden. So könnten SBTs von Universitäten an Absolvent:innen als Beweis für den erfolgreichen Abschluss eines Studiums ausgehändigt werden. Momentan ist das noch nicht möglich. Wenn Universitäten dafür NFTs nutzen würden, könnten Studierende aktuell das Zertifikat einfach weiterverkaufen – ein Problem, welches SBTs technologisch lösen.

Here to stay

Kurz gesagt: NFTs are here to stay, und das nicht nur in Bezug auf digitale Kunst. Es steht außer Frage, dass es aktuell gerechtfertigte Kritik an den Ineffizienzen der Technologie gibt. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass sie durch stetige Innovationen gemeistert werden können. Die grundlegende Transparenz und historische Unveränderbarkeit einer Blockchain gepaart mit der NFT Technologie öffnen Raum für nachhaltige Veränderung, Prozessmodernisierungen und spannende, industrieübergreifende Use-Cases. Jetzt haben wir die einmalige Chance mitzugestalten – und so zusammen die Zukunft von NFTs mitzubestimmen.