eyJwYXRoIjoiZXh4ZXRhXC9hY2NvdW50c1wvMWVcLzQwMDExMThcL3Byb2plY3RzXC80XC9hc3NldHNcLzMxXC8yNTI0XC9hMmJkMzdjNzA4OTJkZTgzNGI5YjhhZmU3NWFiZDlmOS0xNjQ3ODY5NTU1LmpwZyJ9-exxeta-uj2ckbWXHgJPbl7mVLPhj6ZT3RtKt6hT5LmAZy9p2OM.jpeg

Zurück

Tschüss Perso, hallo digitale Wallet und SSI!

Egal ob elektronischer Personalausweis oder Corona-Warnapp – wir weisen uns immer digitaler aus und teilen nur die Informationen, die wir gerade benötigen. Der Vorteil: effizienter Datenaustausch und mehr Kontrolle über die eigenen Informationen. Ein Trend mit Potential: SSI, „Self-Sovereign-Identity“, soll zukünftig ermöglichen, die eigene Identität in noch mehr Bereichen selbst verwalten zu können. Dafür werden die eigenen Daten in einer elektronischen SSI-Wallet gespeichert und in manipulationssicheren Datenablagen von vertrauenswürdigen Stellen bestätigt. Die Wallet umfasst die persönlichen Identitätsmerkmale, wie z.B. die Adresse oder das Geburtsdatum und liegt bequem auf dem Smartphone. Der Vorteil: Die Technologie macht beispielsweise das analoge Vorzeigen von Personalausweis oder Post-Ident überflüssig. Die Nutzung einer Blockchain ist dafür nicht unbedingt notwendig.

Digital, digitaler, sozial ungerecht?

Kritiker:innen zufolge verstärkt jede Form vom Staat ausgegebener Dokumente – egal ob ID-Wallet oder digitale Zeugnisse – die soziale Ungerechtigkeit. Der Grund: Sie sind weniger zugänglich für digital schlecht aufgestellte Personen. Ein Blick auf die skandinavischen Länder zeigt ein anderes Bild. Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark gelten als die Länder mit der höchsten sozialen Gerechtigkeit – sind aber gleichzeitig die Länder, in denen digitale Identitäten bereits weit verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert sind.

Lasst uns über Sicherheit diskutieren

Einige Sicherheitsaspekte von SSI werden zurecht kritisiert. Ein Beispiel: die benötigten QR-Codes. Zwingend notwendig, um die eigenen Daten zu teilen. Wenn unbekannt ist, wer die QR-Codes zur Verfügung stellt, sind gefälschte Codes und damit potentiell ein „Man-in-the-Middle“-Angriff möglich. Dabei stellen gefälschte QR-Codes die Daten Malory zur Verfügung anstatt im Alice-Server. Hürden, die nicht unüberwindbar sind. Die Nachweispflicht eines Credentials mit hohem Vertrauensniveau ist eine Lösung. Dann müssen Entitäten, die auf Daten zugreifen wollen, sich vorher verifizieren und diese Verifikation für Nutzende einsehbar machen.

Meine Daten, meine Entscheidungen

SSI revolutioniert den Umgang mit den eigenen Daten. Durch die dezentrale Wallet werden weniger persönliche Daten gespeichert und die Nutzenden verwalten die Wallet selbst. Das bedeutet: Es werden selektiv immer nur die Daten bereitgestellt, die gerade wirklich benötigt werden – der Rest bleibt privat. Ein praktisches Anwendungsbeispiel ist die Autovermietung: Die Autovermietung muss sicherstellen, dass die ausleihende Person über 18 Jahre alt ist. Die Wallet bestätigt diese Anfrage – das konkrete Geburtsdatum muss dafür nicht offenbart werden. Praktische Identifikation: datenarm und DSGVO-konform.

Außerdem bietet SSI einem Phänomen die Stirn, dessen Opfer die meisten von uns schon gewesen sein dürften: Profiling. Eine Praxis, bei der Profile basierend auf Nutzer:innenverhalten erstellt werden, um gezielte Werbetechniken zu nutzen. Durch SSI fällt die Anmeldung bei zentralen Login-Anbietenden wie Google oder Facebook weg. Dadurch können Nutzer:innenaktionen im geringeren Umfang analysiert oder monetarisiert werden – und wir werden seltener dazu verleitet den Lautsprecher zu kaufen, der schon seit Monaten in unserem Warenkorb liegt.

Ganz praktisch sorgt die dezentrale Wallet dafür, dass Nutzer:innen weniger Daten bei ihren Nutzer:innenaccounts hinterlegen müssen. Somit könnten Angriffe weniger schwer wiegen, da weniger sensible Daten im Umlauf sind. Ein Synergieeffekt, der langfristig zum Aufbau eines interaktiven Vertrauensnetzwerks führt.

sidewalk_2_orig.jpg

Butter bei die Fische: Wo bleibt meine digitale Wallet?

So futuristisch, wie die Technologie klingt, ist sie gar nicht. Aktuell laufen einige Forschungsprojekte, an denen sich Exxeta beteiligt. Ein Beispiel: ID_Ideal – eine Kooperation mit den Städten Dresden und Leipzig. Dabei im Fokus: die Entlastung von Ämtern, die oft durch den enormen Mehraufwand für Bürger:innen und Ämter im Bereich der Verifikation und Nachweis der Identität entsteht. Zusammen mit den Städten setzt Exxeta dafür Demo-Anwendungen um. Schon mit Hilfe einer einfachen Portaloberfläche kann so die persönliche Vorstellung zukünftig überflüssig werden – und die Anmeldung an der Volkshochschule oder auch die Beteiligung an einem Bürgerbegehren zum Kinderspiel.

Volle Kraft voraus

Die Zukunft von SSI ist vielversprechend und Dialog wichtig. Nur so können Challenges adressiert und technologisch gelöst werden. Schon jetzt gibt es viele praktische Anwendungsfälle für SSI – sei es ein Bürgerbegehren oder die Autoausleihe. Bereit für die digitale Zukunft?