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Bild von Rico Rühmer in Office mit Rausch Logo

AI in der Schokoladenfabrik 

Wie bringt ein traditionsreicher Schokoladenhersteller Künstliche Intelligenz sinnvoll in die Praxis? Gemeinsam mit Exxeta entwickelt Rausch erste KI-Anwendungen – darunter einen Chatbot, der Mitarbeitenden das Wissen aus dem Qualitätsmanagement zugänglich macht.

Doch die Ideen des Unternehmens reichen weiter: von Computer Vision, um das Einkaufserlebnis zu steigern bis hin zu humanoider Robotik, um den Produktionsalltag zu unterstützen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Im Interview spricht Geschäftsführer Rico Rühmer darüber, wie Rausch den Einsatz von künstlicher Intelligenz Schritt für Schritt vorantreibt und warum es dabei weniger um Technologie als um konkrete Herausforderungen im Unternehmensalltag geht. 

Exxeta: Seit wann ist KI für Rausch ein strategisch relevantes Thema? 

Rico Rühmer: Begonnen hat das für uns Ende 2022 mit den ersten öffentlich verfügbaren generativen KI-Systemen. Damals wusste noch niemand so genau, welche Möglichkeiten diese Technologie tatsächlich eröffnen würde und wohin die Reise geht. 
 
Relativ schnell wurde uns aber bewusst: Das ist keine Technologie, die nur einzelne Prozesse effizienter macht. Sie wird die Art verändern, wie Unternehmen arbeiten – auch unseres. Ab diesem Zeitpunkt war für uns klar, dass wir uns strategisch mit KI beschäftigen müssen. 
 
Anfangs lag der Fokus vor allem auf generativen Anwendungen im Marketing oder der Kommunikation. Heute denken wir deutlich breiter – vom Wissensmanagement über Computer Vision bis hin zu Physical AI. 

Exxeta: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welche KI-Ideen Sie verfolgen – und welche nicht? 

Rico Rühmer: Für uns steht nie die Technologie als Selbstzweck am Anfang, sondern immer eine konkrete Herausforderung. Wir fragen uns, welches (alte) Problem wir mit einer neuen Technologie nun lösen können, oder noch weitergreifend: wie können wir komplizierte Prozesse ganz vermeiden oder neue Produkte und Services schaffen.
 
Natürlich müssen sich Investitionen auch wirtschaftlich rechnen. Gleichzeitig entwickelt sich KI derzeit in einer Geschwindigkeit, die wir so bislang nicht erlebt haben. Deshalb gehört für mich auch dazu, neue Technologien auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Nicht jedes Projekt wird am Ende produktiv gehen. Aber jedes Projekt hilft uns dabei, besser zu verstehen, was möglich ist – und wo die Grenzen liegen. 

Exxtea: Gemeinsam mit Exxeta haben Sie einen KI-gestützten Chatbot entwickelt, der Mitarbeitenden den Zugriff auf Arbeits- und Verfahrensanweisungen erleichtert. Wie entstand die Idee dazu? 

Rico Rühmer: Als Lebensmittelhersteller arbeiten wir mit einer Vielzahl an verschiedenen Verfahrens- und Arbeitsanweisungen. Zusammen mit Exxeta haben wir deshalb Quality GPT entwickelt – ein Chatbot, der das Wissen im Unternehmen bündelt und allen zugänglich macht. Mitarbeitende können ihre Fragen stellen – künftig auch in ihrer jeweiligen Muttersprache – und erhalten direkt die passende Antwort aus unserem Qualitätsmanagement. 
 
Dahinter steckt aber noch ein weiterer Gedanke. Unsere Belegschaft ist sehr erfahren und in den kommenden Jahren werden sich einige Kolleg:innen in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Mit ihnen darf wertvolles Erfahrungswissen nicht verloren gehen. Deshalb beschäftigen wir uns schon heute damit, dieses Wissen zu sichern und für kommende Generationen im Unternehmen verfügbar zu machen. 

Exxeta: Sie beschäftigen sich derzeit mit dem Thema Physical AI, unter anderem auch mit Exxeta. Welche Rolle können humanoide Roboter künftig in Ihrer Produktion spielen? 

Rico Rühmer: Auch hier geht es letztlich um dieselbe Herausforderung. Es wird zunehmend schwieriger, offene Stellen zu besetzen, gleichzeitig gibt es Tätigkeiten, die körperlich belastend oder sehr monoton sind. 
 
Genau dort sehen wir Potenzial für humanoide Robotik. Sie könnte Mitarbeitende bei diesen Aufgaben unterstützen und Freiräume für anspruchsvollere Tätigkeiten schaffen. Hier stehen wir aber noch am Anfang. Viele technische und regulatorische Fragen sind noch offen und wir sammeln gemeinsam mit verschiedenen Partnern erste Erfahrungen. 
 
Entscheidend wird aber nicht allein die Technik sein, auch unsere Belegschaft sollte dieser Veränderung positiv gegenüber stehen. Neue Technologien verändern den Arbeitsalltag. Deshalb legen wir großen Wert darauf, unsere Mitarbeitenden früh mitzunehmen, transparent zu erklären, warum wir neue Lösungen prüfen, und ihre Rückmeldungen ernst zu nehmen. 
 

Exxeta: Für ein weiteres Projekt haben Rausch und Exxeta den Einsatz von Computer Vision geprüft. Welcher Gedanke steckt hinter der Idee? 

Rico Rühmer: Viele Kund:innen stellen sich in unseren Schokoladenhäusern ihre Pralinenschachteln individuell zusammen. Genau darin liegt die Herausforderung: Die Schachtel wird oft verschenkt. So lässt sich häufig nicht mehr nachvollziehen, welche Praline zu welcher Sorte gehört. 
 
Deshalb entstand die Idee, mithilfe von Computer Vision einzelne Pralinen anhand eines Fotos automatisch zu erkennen. Einfach den beigelegten QR-Code scannen, Foto von der geöffneten Schachtel machen und alle Informationen zu Sorte, Zutaten, Allergenen oder Herstellungsverfahren nachlesen. Das verlängert das Einkaufserlebnis über den Besuch im Schokoladenhaus hinaus. 
 
Ich finde solche Projekte spannend, weil sie zeigen, dass KI nicht nur interne Abläufe verbessern kann, sondern auch für unsere Kund:innen einen unmittelbaren Mehrwert schafft. 

Exxeta: Was ist aktuell die größte Herausforderung, wenn Sie einen Proof of Concept in die Praxis bringen wollen? 

Rico Rühmer: Ganz klar die Geschwindigkeit, mit der sich das Thema entwickelt. Zwischen einem ersten Proof of Concept und der Einführung einer Anwendung dürfen nicht mehr sechs Monate liegen. In dieser Zeit entwickelt sich KI so rasant weiter, dass die Lösung schon nicht mehr dem State of the Art entspricht, obwohl man sie gerade erst entwickelt hat. 
Diese Dynamik macht es anspruchsvoll, den richtigen Zeitpunkt für Entscheidungen zu finden und gleichzeitig Anwendungen zu entwickeln, die langfristig Bestand haben. 

Exxeta: Woran werden Sie in einigen Jahren erkennen, dass Sie beim Thema KI die richtigen Entscheidungen getroffen haben? 

Rico Rühmer: Ich hoffe, dass wir rückblickend sagen können, die richtigen Erfahrungen gesammelt zu haben. Nicht jede Idee wird sich durchsetzen und nicht jedes Projekt wird am Ende ein Erfolg gewesen sein. Aber genau darum geht es im Moment auch gar nicht. Es geht darum zu verstehen, welche Möglichkeiten KI unserem Unternehmen eröffnet und wo ihre Grenzen liegen. 

Wenn wir dieses Verständnis aufgebaut haben, können wir fundierte Entscheidungen treffen und die Technologien dort einsetzen, wo sie unseren Mitarbeitenden und unseren Kund:innen einen echten Mehrwert bieten. 

Es ist einfach keine Option, nichts zu tun. 

Danke für das Gespräch, Herr Rühmer. 

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