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Entscheidend sind Portabilität und Exit-Strategien, damit Unternehmen auf Veränderungen reagieren und Anbieter wechseln können.
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Cloud-Technologien können digitale Souveränität stärken, wenn Anwendungen flexibel und plattformunabhängig entwickelt werden.
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Exit-Strategien müssen regelmäßig praktisch getestet werden – nicht nur auf dem Papier existieren.
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Wechselmöglichkeiten stärken auch die Verhandlungsposition gegenüber Technologieanbietern.
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Unternehmen sollten sich auf beeinflussbare Risiken konzentrieren, statt sich von Extremszenarien wie einem möglichen „Kill Switch“ leiten zu lassen.

Digitale Souveränität heißt nicht digitale Unabhängigkeit
Digitale Souveränität wird häufig mit Unabhängigkeit gleichgesetzt. Doch ist dieses Ziel in einer global vernetzten Technologiewelt überhaupt realistisch? Für Markus Neukirch, Vorstand der dwpbank für IT und Operations, greift Gleichsetzung von Souveränität und Unabhängigkeit zu kurz.
Exxeta begleitet die dwpbank seit 2018 bei der Modernisierung ihrer IT-Landschaft und der Vorbereitung cloudfähiger Architekturen.
Im Rahmen unserer gemeinsamen Studie mit Lünendonk zum Thema »Digitale Souveränität« haben wir unseren langjährigen Kunden zu einem Gespräch getroffen.
Dort erläutert er, warum technologische Abhängigkeiten nicht verschwinden werden, weshalb Cloud-Technologien sogar zu mehr Handlungsfähigkeit beitragen können und warum funktionierende Exit-Strategien wichtiger sind als die Illusion vollständiger Unabhängigkeit.
TL;DR
Exxeta: 96 Prozent der Befragten unserer gemeinsamen Studie mit Lünendonk sehen geopolitische Entwicklungen als Treiber digitaler Souveränität. Hat sich die Bedeutung des Themas aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren verändert?
Markus Neukirch: Ich wäre wahrscheinlich einer der wenigen, die nicht zu diesen 96 Prozent gehören. Natürlich haben die geopolitischen Entwicklungen die Diskussion noch einmal verstärkt. Aber die grundlegenden Abhängigkeiten, über die wir heute sprechen, bestehen nicht erst seit einigen Jahren.
Sie sitzen vielleicht an einem MacBook, wir arbeiten hier mit HP-Rechnern. Wir nutzen unterschiedliche Betriebssysteme, Softwarelösungen und Plattformen, die von internationalen Anbietern entwickelt werden. Verwehrt man uns dafür in Europa plötzlich – aus welchen Gründen auch immer – sicherheitskritische Updates, haben wir früher oder später ein Problem.
Diese Abhängigkeiten sind nicht neu und werden auch nicht verschwinden. Die Frage war für mich schon immer, wie wir mit diesen Abhängigkeiten umgehen und wie wir sicherstellen, dass wir handlungsfähig bleiben.
Exxeta: Wenn Abhängigkeiten nicht verschwinden werden: Was ist dann aus Ihrer Sicht ein realistisches Ziel digitaler Souveränität?
Markus Neukirch: Für mich stellt sich weniger die Frage, wie wir jede Abhängigkeit vermeiden, sondern eher, wie wir auf Veränderungen reagieren können.
Wenn ich heute eine Technologie einsetze, sollte ich mir immer überlegen, was passiert, wenn Preise steigen, ein Anbieter wegfällt oder sich Anforderungen ändern. Bin ich dann in der Lage, zu reagieren oder habe ich mich so stark festgelegt, dass ein Wechsel praktisch unmöglich wird?
Genau deshalb spielen Themen wie Portabilität und Exit-Strategien eine wichtige Rolle. Es geht nicht darum, jede Abhängigkeit zu vermeiden. Es geht darum, sich nicht in eine Situation zu bringen, in der man keine Wahl mehr hat.
Exxeta: Cloud wird häufig als neue Form der Abhängigkeit diskutiert. Sie argumentieren jedoch, dass Cloud-Technologien auch mehr Handlungsfähigkeit schaffen können. Warum?
Markus Neukirch: Die Diskussion konzentriert sich häufig auf die Abhängigkeit von einzelnen Cloud-Anbietern. Dabei wird oft übersehen, dass moderne Cloud-Architekturen auch mehr Flexibilität ermöglichen können.
Wenn Anwendungen entsprechend entwickelt werden, lassen sie sich grundsätzlich leichter zwischen unterschiedlichen Umgebungen bewegen. In manchen Fällen ist die Wechselmöglichkeit sogar größer als in klassischen Rechenzentrumsstrukturen. Richtig eingesetzt können Cloud-Technologien deshalb sogar dazu beitragen, die eigene Handlungsfähigkeit zu erhöhen.
Exxeta: Viele Unternehmen sprechen über Exit-Strategien. Was macht eine Exit-Strategie aus Ihrer Sicht tatsächlich wirksam?
Markus Neukirch: Sie darf nicht nur auf dem Papier existieren. Entscheidend ist, dass sie praktisch funktioniert.
Bei der dwpbank entwickeln und testen wir Anwendungen bewusst in einer anderen Cloud-Umgebung als der, in der sie später produktiv betrieben werden. Da wir monatlich unseren kompletten Softwarestack releasen, überprüfen wir dadurch kontinuierlich, ob unsere Anwendungen tatsächlich portabel sind und nicht ungewollt von einzelnen Plattformdiensten abhängig werden. Dazu tragen dann offene Softwarekomponenten bei, die transparent und austauschbar sind.
Denn eine Exit-Strategie wird erst dann belastbar, wenn man sie regelmäßig mit der Realität abgleicht.
Exxeta: Sie haben nun schon mehrfach die Bedeutung von Wechselmöglichkeiten betont. Warum sind diese aus Ihrer Sicht so wichtig?
Markus Neukirch: Weil Wechselmöglichkeiten unmittelbaren Einfluss auf die eigene Verhandlungsposition haben. Wenn ein Anbieter weiß, dass ein Kunde nicht wechseln kann, entsteht zwangsläufig eine andere Ausgangslage.
Man sieht im Markt immer wieder, wie sich Preise oder Vertragsbedingungen verändern können, wenn Unternehmen nur noch sehr begrenzte Alternativen haben. Deshalb geht es bei Exit-Strategien nicht nur darum, für einen technischen Notfall vorbereitet zu sein. Sie helfen auch dabei, wirtschaftliche Abhängigkeiten zu begrenzen und Wahlmöglichkeiten zu erhalten.
Exxeta: In der Debatte um digitale Souveränität wird häufig über sogenannte »Kill Switches« gesprochen. Wie bewerten Sie diese Diskussion?
Markus Neukirch: Solche Szenarien lassen sich grundsätzlich nicht ausschließen. Gleichzeitig sollten wir die Diskussion aber nicht auf einzelne Extremszenarien verengen.
Natürlich ist es sinnvoll, sich mit geopolitischen Risiken auseinanderzusetzen. Aus meiner Sicht sollten Unternehmen aber vor allem die Risiken adressieren, die sie heute aktiv beeinflussen können. Dazu gehören transparente Abhängigkeiten, funktionierende Exit-Strategien und ausreichende Wettbewerbsmöglichkeiten.
Wenn wir jemals an einem Punkt ankommen, an dem solche Szenarien wie ein Kill Switch tatsächlich Realität werden, haben wir vermutlich ganz andere Probleme. Deshalb konzentriere ich mich lieber auf die Fragen, auf die wir heute Einfluss nehmen können.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Neukirch.
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Gunilla Kollotzek
Lead Consultant
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