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Eine stilisierte gezeichnete Hand drückt die „Control"-Taste auf einer Laptop-Tastatur

Digitale Souveränität: Wer den Agenten kontrolliert, kontrolliert die KI

Gerade bei Unternehmen im Bereich kritischer Infrastrukturen steht ein Thema aktuell hoch auf der strategischen Agenda: digitale Souveränität. Und damit die Frage, wie die eigene Organisation sicherstellt, dass alle kritischen Daten im Unternehmen bzw. zumindest in Deutschland bleiben. Dieser Beitrag zeigt, welche Stellschrauben es speziell beim Einsatz von KI-Agenten gibt, um digitale Souveränität zu gewährleisten.  

TL;DR

  • Digitale Souveränität entsteht dort, wo KI-Agenten Daten verarbeiten und Entscheidungen vorbereiten. Die Infrastruktur allein reicht dafür nicht aus. 

  • Sechs Harness-Komponenten verankern Compliance und Kontrolle direkt in der Architektur. Governance wird damit zum Teil des Systems, nicht zur Nachkontrolle. 

  • Compliance und Auditierbarkeit gehören von Anfang an in die Architektur, nicht ans Ende des Prozesses.

  • Bei der Anbieterwahl zählt künftig vor allem, wie gut sich ein Agent kontrollieren lässt.

  • Europa hat die Grundlagen für souveräne KI bereits geschaffen. Jetzt kommt es darauf an, daraus produktive Anwendungen zu machen.

  • Harness Engineering ist keine rein technische Disziplin. Es ist die Voraussetzung dafür, dass Governance im KI-Betrieb tatsächlich durchgesetzt wird und nicht nur als Richtlinie existiert.

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KI-Agenten halten Einzug in Unternehmen. Durch sie assistiert KI nicht mehr nur bei der Arbeit, sie übernimmt eigenständig ganze Aufgaben und steuert Prozesse aktiv mit. Für Unternehmen ein Hebel, Prozesse noch stärker zu automatisieren und echte Effizienzsteigerung in Teams zu erlangen.  

Warum Infrastruktur allein nicht ausreicht 

Die nötige Infrastruktur, um Agenten zu nutzen, haben viele Unternehmen bereits etabliert. Doch auf einfache Fragen fehlt oft die Antwort: Was passiert, nachdem ein KI-Agent gestartet wurde? Was macht der Agent mit unseren Daten und bleiben sie innerhalb der unternehmenseigenen Infrastruktur?  

Infrastruktur entscheidet, wo Daten liegen. Sie entscheidet nicht, was ein Agent damit macht. Wer über souveräne KI spricht, landet schnell bei Rechenzentren, Cloud-Plattformen und Datenhoheit. Das ist verständlich, denn Infrastruktur bleibt die Grundlage jeder KI-Strategie. Viele Unternehmen sind in diesen Bereichen bereits gut aufgestellt. 

Eine Frage bleibt dabei meist offen: Was passiert eigentlich, nachdem ein KI-Agent gestartet wurde? Der Agent liest Daten, ruft APIs auf, speichert Ergebnisse und löst Aktionen aus. Mit jedem dieser Schritte entstehen neue Datenflüsse und neue Risiken, die in der Laufzeitumgebung des Agenten liegen, nicht in der Infrastruktur. Unternehmen sichern heute Daten in europäischen Rechenzentren ab. Wer aber steuert, wie ein Agent mit diesen Daten umgeht? Dafür braucht es ein separates Konzept.  

Andre Lindenberg spricht mit einem Experten

„Es gibt so eine Art blinden Fleck. Und der liegt genau dort, wo wir KI-Agenten bauen und einsetzen: in der Laufzeitumgebung." 

André Lindenberg, Head of AI, Exxeta 

Wo Kontrolle und Souveränität entstehen: der Agent Harness 

Wie ein Agent konkret agieren darf und ganz wichtig – was er nicht darf – darüber machen sich Unternehmen teilweise noch zu wenig Gedanken. Und so entsteht ein blinder Fleck: die Laufzeitumgebung des Agenten. Diese können Unternehmen im Agent Harness jedoch klar definieren. Dort legen Organisationen klare Regeln und Grenzen für ihre Agenten fest, die essenziell sind in Bezug auf Compliance- und Governance-Vorgaben.   

Ein klar definierter Agent Harness ist somit eine Grundvoraussetzung, um KI-Lösungen souverän aufzusetzen. Souveränität entsteht nämlich in dem Moment, in dem ein Unternehmen festlegt, welche Daten ein Agent lesen darf, welche Regeln er einhalten muss und wann ein Mensch das letzte Wort hat. 

Ein Agent Harness kann dafür in Form von sechs zentralen Komponenten strukturiert werden: 

  1. Execution Loop steuert, wie ein Agent Aufgaben sequenziell abarbeitet, auf Ereignisse reagiert und Entscheidungen trifft 

  1. Tool Registry legt fest, welche externen Schnittstellen, APIs oder Dienste der Agent überhaupt nutzen darf 

  1. Context Manager entscheidet, welche Informationen für eine Entscheidung herangezogen werden, und sorgt dafür, dass der Agent nicht mit irrelevanten oder unzulässigen Daten arbeitet 

  1. State Store verwaltet Speicherzustände und Erinnerungen über mehrere Schritte oder Sitzungen hinweg 

  1. Lifecycle Hooks sind gezielte Kontrollpunkte innerhalb eines Prozesses, an denen sich Regeln, Prüfungen oder menschliche Freigaben einbauen lassen, bevor der Agent weitermacht 

  1. Evaluation Interface ermöglicht eine standardisierte Beobachtung und Auditierung des Agentenverhaltens und schafft damit die Grundlage für Nachvollziehbarkeit und KI-Compliance 

Diese sechs Komponenten übersetzen Governance in die Architektur. Darum hat sich eine eigene Disziplin entwickelt: das Harness Engineering.  

  

Governance gehört in die Architektur 

Viele Unternehmen behandeln Governance noch immer als nachgelagerte Kontrollfunktion. Bei KI-Agenten funktioniert das nicht. Wenn ein Agent selbstständig Entscheidungen vorbereitet oder operative Prozesse unterstützt, müssen Kontrollmechanismen von Anfang an Teil des Systems sein. 

Ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen legt fest, dass bestimmte Dokumente nicht von KI verarbeitet werden dürfen. Wer das nur als Richtlinie formuliert, hat keine Garantie, dass sie eingehalten wird. Ein gut gebauter Harness setzt diese Regel technisch durch: Der Context Manager filtert unzulässige Quellen heraus, die Lifecycle Hooks stoppen den Prozess an den richtigen Stellen und das Evaluation Interface dokumentiert jeden Schritt nachvollziehbar.  

Diese Daten bleiben für jeden Agenten vollständig geschützt – unabhängig davon, was angefragt wird. Solche Mechanismen schaffen das Vertrauen, das für geschäftskritische KI-Anwendungen nötig ist. 

Wir bei Exxeta analysieren mit euch, welche Harness-Komponenten in eurer Agenten-Architektur bereits Governance durchsetzen und wo Kontrollpunkte fehlen.  

  

Kaufen oder selbst entwickeln? Neue Kriterien für die Anbieterwahl 

Die Frage nach dem richtigen Agent Harness betrifft nicht nur Unternehmen, die eigene Agenten entwickeln, sondern genauso alle, die KI-Lösungen einkaufen. Bisher standen bei der Auswahl häufig Modellqualität und Funktionsumfang im Vordergrund. Künftig werden andere Kriterien wichtiger: wie gut sich ein Agent kontrollieren lässt, welche Governance-Möglichkeiten ein Anbieter bietet und ob sich Sicherheits- und Compliance-Anforderungen wirklich technisch abbilden lassen. 

Organisationen, die mehrere KI-Agenten betreiben, kommen früher oder später zu einem zentralen Agent Harness als gemeinsame Blaupause. Governance, Compliance und Sicherheitsvorgaben würden dann nicht mehr für jeden Agenten neu definiert, sondern zentral bereitgestellt werden. Das spart nicht nur Zeit, es schafft konsistente Kontrolle über den gesamten KI-Einsatz hinweg. Europäische Unternehmen bringen dafür durch jahrelange Erfahrung mit strengen Compliance- und Datenschutzanforderungen das mit, was souveränen KI-Einsatz ermöglicht. 

  

Europäische KI: Stärker als gedacht 

Europa wird im KI-Wettbewerb oft unterschätzt. Pessimistische Stimmen überwiegen: Europa sei bereits abgehängt, Innovation finde nur in den USA oder China statt. Dabei ist das Bild differenzierter als oft dargestellt. Europa hat starke Forschungseinrichtungen, innovative Technologieunternehmen und ein dynamisches Start-up-Ökosystem. Wer glaubt, dass nur die größten Sprachmodelle zählen, liegt falsch.  

Viele produktive Anwendungsfälle basieren auf spezialisierten Modellen, analytischer KI oder Computer-Vision-Lösungen, besonders in industriellen Umgebungen, wo Europa traditionell stark aufgestellt ist. Die Frage ist nicht, ob Europa mithalten kann. Die Frage ist, ob Unternehmen die vorhandenen Möglichkeiten konsequent und souverän nutzen. 

  

Der Kontrollpunkt 

Unternehmen setzen mehr KI ein. Damit wächst auch die Verantwortung, diesen Einsatz zu kontrollieren. Infrastruktur und Datensicherheit schaffen dafür die Basis. Digitale Souveränität geht noch tiefer: Sie entsteht in der Architektur des Harness, die steuert, welche Daten ein Agent verarbeitet, welche Regeln er einhält und wann ein Mensch das letzte Wort hat. Denn wer den Agenten kontrolliert, kontrolliert die KI. 

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André Lindenberg

Fellow KI